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«Ich bin gelernte Uhrmacherin»

Frau H. Wanner

«Chasch nid immer en Lätsch schniide», ist meine Devise. Humor ist etwas vom Wichtigsten. Wenn ich nicht mehr lachen kann, dann bin ich verloren. An unserem Tisch im Esszimmer sind wir ein lustiges Trüppchen. Wir können auch über uns selbst lachen, was ja nicht allen gegeben ist ...

Ich bin gelernte Uhrenmacherin und werde noch heute gefragt, wenn's um Uhren geht. Auch hier im St. Urban habe ich schon einige wieder zum Laufen gebracht. Obwohl ich keine Werkzeuge mehr habe und meine Hände ziemlich steif geworden sind.

Meine schönsten Erinnerungen sind immer mit Schnee verbunden
Aufgewachsen bin ich in Bettlach, im Kanton Solothurn. Unser Hof lag erhöht ausserhalb des Dorfes an einem Jurahang. Ich brauchte fast eine Stunde, um zu Fuss in die Schule zu gelangen. Zum Mittagessen ging ich zurück nach Hause und am Nachmittag wieder runter ins Dorf! Damals war ich fit, das können sie mir glauben.

Wir waren fünf Geschwister und meine schönsten Erinnerungen sind immer mit Schnee verbunden. Mit dem vielen Schnee, den es damals noch gab, und wie wir alle auf Skiern durch den weissen Wald zur Schule fuhren. Um die Mittagszeit schleppten wir unsere Skier wieder hoch zu unserem Hof, schnallten sie nach dem Essen erneut an und hatten das ganze Vergnügen noch einmal.

Damals litt ich noch unter schweren Migräneanfällen
Ich habe sehr gerne Theater gespielt in unserem Dorf. Bei der Besetzung der Hauptrolle in Lustspielen haben sie meistens mich gewählt. Oft habe ich spontan meine Texte verlängert und viel mehr erzählt, als im Drehbuch vorgesehen war.

Ich war auch Ehrendame bei der Musikgesellschaft. Ich lief bei den Umzügen jeweils mit drei anderen Frauen ganz vorne mit, im weissen Kleid und mit einer roten Schärpe. Damals litt ich noch unter schweren Migräneanfällen. Ich lebte in ständiger Sorge, dass ich ausgerechnet an einem solchen Anlass umkippen würde.

Eigentlich habe ich immer an Gott geglaubt – bis mein Mann starb, gleich nach seiner Pensionierung. In jener schweren Zeit habe ich so oft um Hilfe gebetet. Meinen Sie, Gott hat mir geholfen? Nein! Da habe ich mit ihm abgeschlossen. Das habe ich auch dem freundlichen Pfarrer gesagt, der mich besuchen kam. Ich habe auch mit der Kirche abgeschlossen. Nur die Glocken, die höre ich immer noch gern läuten.