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«Ich het nie dänkt, dass du en Bueb z’stand bringsch.»

Frau A. Fognini

Mein Mann war im selben Berufsverband wie ich – so haben wir uns kennengelernt. Er war Herren- und ich Damenschneiderin. Wir haben uns gleich ineinander verliebt und wollten so schnell wie möglich heiraten. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg.

Früher, da hat man noch gehorcht

Mein Mann kommt aus dem italienischen Teil des Bergells. Uns wurden viele Steine in den Weg gelegt. Erst war da mein Vater, der ein grosses Drama aufführte, als er von unseren Plänen erfuhr und mir kategorisch verbot, einen Ausländer zu heiraten. Obwohl mein Mann in der Schweiz geboren war und perfekt deutsch sprach! Doch früher, da hat man noch gehorcht. Als Tochter sowieso!

Mein Mann wollte sich daraufhin einbürgern lassen, was einen elend langen Papierkrieg mit den italienischen Behörden nach sich zog. Als dann endlich die ersehnten Dokumente eintrafen und wir voller Freude unsere Hochzeit planten, kriegte mein Zukünftiger kurz vor dem geplanten Datum die Masern. Es erwischte ihn schwer und es dauerte dementsprechend lange, bis wir ein neues Datum gefunden hatten.

Irgendwann haben wir es schliesslich doch noch geschafft, trotz all der Widerstände – danach waren wir 61 Jahre lang verheiratet! Wer hätte das gedacht nach diesem schwierigen Start! Mein Vater gewöhnte sich mit der Zeit an den «Ausländer» und mochte ihn sogar.


Das Thema Kinder war nach dem dritten Sohn erledigt

Als ich unseren ersten Sohn zur Welt brachte, sagte mein Vater zu mir: «Ich het nie dänkt, dass du en Bueb z’stand bringsch.» Das war wohl ein Kompliment in seinen Augen.

Ich habe dann noch zwei weitere Buben zustande gebracht. Insgeheim habe ich mir jedoch sehnlichst eine Tochter gewünscht. Doch das Thema Kinder war nach dem dritten Sohn erledigt und wir haben alles weggegeben: Wiege, Kinderwagen und Babysachen. Doch siehe da: Acht Jahre nach der Geburt meines Jüngsten wurde ich unerwartet nochmals schwanger, mit über 40, und habe so doch noch eine Tochter bekommen. Das war ein unverhofftes Geschenk. Ich glaube, ich wäre nie wirklich damit fertiggeworden, «nur» Buben zu haben.